Generalversammlung 2026
Arbeitgeber sehen Chancen im herausfordernden Umfeld
Die Mittelthurgauer Arbeitgeber haben ein anspruchsvolles Jahr hinter sich. Anlässlich der Generalversammlung vom 29. April 2026 blicken Präsident Christoph Girsberger und Gastreferent Stefan Brupbacher aber mit Zuversicht in die Zukunft, denn Risiken bieten auch immer Chancen.
«Wir haben ein herausforderndes Jahr gemeistert. Meistern ist sicher das richtige Wort dafür», sagt Christoph Girsberger bei seiner Begrüssung der rund drei Dutzend Mitglieder des Arbeitgeberverbands Mittelthurgau, die an die Generalversammlung im Landgasthof Wartegg in Wigoltingen gekommen sind. «Die Schweiz hat sich als sehr widerstandsfähig gezeigt. Wir haben eine sensationell tiefe Teuerung in diesem Umfeld, die Arbeitslosenquote ist tief und die anhaltende Nachfrage nach Fachkräften zeigt, dass die Wirtschaft läuft.» Es sei für alle Unternehmer und Arbeitgeber in dieser Zeit auch sehr wichtig gewesen, dass sie sich auf einen soliden und vertrauenswürdigen Finanzplatz abstützen konnten. Insgesamt ergibt sich für 2025 ein differenziertes Bild. Auf der einen Seite standen die globalen Risiken und die strukturellen Herausforderungen. Auf der anderen Seite hat die Schweiz ihre Stärken wie Verlässlichkeit, Sicherheit und Innovation unter Beweis gestellt.» All dies sei eine sehr solide Basis auch für die Zukunft, wenn man als Unternehmer bereit sei, gewisse Investitionen zu tätigen.
Mit Blick auf den Arbeitgeberverband Mittelthurgau streicht Christoph Girseberger die gelungenen Anlässe wie den Arbeitgeberanlass bei Stadler Rail mit Podiumsdiskussion, den Behördenapéro in Sulgen sowie das Wirtschaftsforum Thurgau heraus. Die Rechnung mit einer schwarzen Null sowie das Budget präsentiert Sekretär Fabian Spycher. Diese zwei sowie auch alle anderen ordentlichen Traktanden werden diskussionslos und einstimmig genehmigt. Nach langer Mitwirkungszeit treten Bruno Witschi und Heinz Badertscher aus dem Vorstand zurück und werden von Präsident Christoph Girsberger verdankt. Neu in den Vorstand gewählt wird Michael Oertli, CEO der Firma Humbel Zahnräder AG in Kradolf. «Er ist sicher eine spannende Bereicherung für uns mit seiner Erfahrung im Exportbereich», sagt Girsberger.
Zum Schluss der Versammlung hält Stefan Brupbacher, Direktor des Verbands Swissmem, ein Referat zum Thema: «Die Schweizer Tech-Industrie gefordert von (Handels-)Kriegen, Protektionismus und KI». Zuerst stellt er den Verband vor, der mit seinen 1500 Mitgliederfirmen rund sieben Prozent zum BIP der Schweiz beiträgt. «Wir sind also wichtiger als Bauern und Banken zusammen», sagt er in seiner akzentuierten Rede. Die Schweizer Tech-Industrie ist stark exportorientiert und so von den ganzen politischen Mühlen der vergangenen Monate stark geprägt gewesen. Für die Schweizer Unternehmen stelle sich angesichts der neuen Weltordnung die Frage, welche Optionen sie wählten. Grossen Problemen – unberechenbare Zölle, teure Transporte und verzögerte Lieferketten – stehen aus Sicht von Brupbacher grosse Chancen gegenüber, da «im letzten Halbjahr ist verschiedenen Konkurrenten der Schweiz über Nacht das Businesskonzept kaputt gegangen. Zum Beispiel bei den Vereinigten Arabischen Emiraten – und auch Singapur ist bedroht, wenn China Unruhe stiften will.» So kommt Stefan Brupbacher zum Schluss: «Es ist für die Schweiz eine brillante Zeit, wenn jetzt keine politischen Fehler gemacht werden. Unsere Firmen stecken nämlich trotz aller Probleme nicht den Kopf in den Sand.» Es gelte, die Schuldenbremse zu sichern, den Arbeitsmarkt liberal zu halten, die Effizienz dank KI zu steigern, den Marktzugang mit Bilateralen und Freihandelsabkommen zu sichern und die Verteidigungsfähigkeit und Industrie zu stärken. Swissmem könne auch seinen Teil zur Meisterung des Klimawandels beitragen. Was bleibe: «Berufsbildung wird wieder einen ganz anderen Wert erfahren. Berufsbildung im technischen Bereich wird sich wieder mehr lohnen – mehr als einige Studiengänge.»
AGV-Präsident Christoph Girsberger dankt dem Swissmem-Direktor für sein Referat und hält an die Mitglieder gerichtet fest: «Es ist wichtig, jetzt zu agieren, anstatt zu reagieren. Die Ausbildung ist zentral und es ist wichtig, dass wir raus gehen und zeigen, was möglich ist, um die Lehrkräfte zu gewinnen. Aber wir müssen bereit sein, da auch etwas zu investieren. Beim vorzüglichen Nachtessen im Landgasthof Wartegg tauschten sich die Mitglieder im Anschluss über das Gehörte aus.
Mario Testa